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Jeder erlebt in seinem Leben von Zeit zu Zeit Stress. Während einer Prüfung, bei der Arbeit oder bei einem ersten Date, wenn man darauf wartet, wie das Treffen abläuft. Das ist einfach ein Teil der Erfahrung des Einzelnen.
Da sich Stresssituationen manchmal nicht vermeiden lassen, stellen wir im heutigen Artikel die Aminosäure Tyrosin vor. Wir besprechen ihre Vorteile, ihre Funktion im Körper und wie ihre ausreichende Aufnahme dazu beitragen kann, die in der Einleitung genannten Situationen besser zu bewältigen.

Was ist Tyrosin?
Tyrosin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu den essentiellen Aminosäuren aus einer anderen Aminosäure synthetisiert werden kann. Ein ausreichender Tyrosinspiegel wirkt sich positiv auf Vitalität und Konzentration aus und trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei. Die Aminosäure L-Tyrosin ist in vielen Lebensmitteln enthalten und wird zu Katecholaminen wie Dopamin, Epinephrin (Adrenalin) und Norepinephrin (Noradrenalin) umgewandelt. [1-2]
Adrenalin und Noradrenalin sind Stresshormone, die vor allem in Stresssituationen ausgeschüttet werden. Sie erhöhen die Herzfrequenz und den Blutzuckerspiegel. Sie sind für das Verhalten unter Stress verantwortlich und bewirken eine spürbare Steigerung der Leistungsfähigkeit.
Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der im Gehirn gebildet wird. Er fungiert als Botenstoff des Nervensystems, der chemische Informationen übermittelt und das menschliche Verhalten – Motivation, Konzentration und Stimmung – beeinflusst. In bestimmten Teilen des Gehirns wird Dopamin vor allem bei natürlich angenehmen Aktivitäten wie Sex, körperlicher Betätigung oder Fitnesstraining ausgeschüttet .

Tyrosin ist auch an der Bildung von Schilddrüsenhormonen beteiligt, die in erster Linie für die Regulierung des Stoffwechsels und von Melanin, einem Pigment, das Haut, Haaren und Augen Farbe verleiht, verantwortlich sind. Die höchste Tyrosinkonzentration findet sich vor allem in der Darmschleimhaut und wird in der Regel nur dann gebildet, wenn eine andere Aminosäure – Phenylalanin – in ausreichender Menge im Körper vorhanden ist- [3–5]
Phenylalaninist eine essentielle Aminosäure, die im Rahmen des Stoffwechsels eine wichtige Vorstufe für die Bildung von Tyrosin ist. Als Verbindung dient sie der Bildung von Neurotransmittern, die für die Aktivität des Nervensystems benötigt werden. Es gibt zwei Formen von Phenylalanin:
- D-Phenylalanin, das keine essentielle Aminosäure ist
- L-Phenylalanin, das in Proteinen vorkommt und für die Herstellung von Tyrosin wichtig ist.
Was ist Phenylketonurie (PKU)?
Du hast wahrscheinlich noch nie von diesem Begriff gehört, aber der Name lässt vermuten, dass er mit Phenylalanin verwandt ist. Wir haben bereits erwähnt, dass Phenylalanin nur dann in Tyrosin umgewandelt wird, wenn genügend davon im Körper vorhanden ist.
Manche Leute haben jedoch die vererbte Unfähigkeit, diese essenzielle Aminosäure zu verarbeiten. Die Phenylketonurie oder phenylketonurische Oligophrenie ist eine genetisch bedingte Störung des Phenylalaninstoffwechsels. Sie ist eine der häufigsten erblichen Stoffwechselkrankheiten, deren Behandlung vor dem dritten Lebensmonat des Kindes beginnen muss. Eine unerkannte Phenylketonurie kann sich in Form von geistiger Retardierung, Krampfanfällen, übermäßiger Muskelspannung und Hyperaktivität äußern.
Patienten mit dieser Störung haben in der Regel einen niedrigen Tyrosinspiegel im Körper, weil sie eine phenylalaninarme Ernährung einhalten müssen. Weitere mögliche Probleme im Zusammenhang mit Phenylketonurie sind Vitamin-D- und B12-Mangel sowie Kalzium- und Eisenmangel, weshalb es wichtig ist, Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. [6]
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Entdeckung von Tyrosin
Eine interessante Geschichte ist mit der Entdeckung von Tyrosin verbunden. Sein Einfluss und seine Wirkungen auf den menschlichen Körper wurden erstmals vor mehr als vier Jahrzehnten von dem britischen Apotheker Tony Hunter entdeckt, dessen Frau Antidepressiva genommen hat. Er hat festgestellt, dass sie jedes Mal, wenn sie Käse gegessen hat, insbesondere eine schnell reifende Sorte, starke Kopfschmerzen bekommen hat. Es wurde festgestellt, dass Käse, insbesondere schnell reifender Käse, große Mengen an Tyrosin enthält, das vom griechischen Wort ,,Tyros“ stammt, das Käse bedeutet. [4]
Daher werden tyrosinhaltige Produkte heute nicht mehr für Leute empfohlen, die Antidepressiva aufnehmen. Laut Studien kann Tyrosin bei Personen, die unter Depressionen leiden, innerhalb von zwei Stunden Bluthochdruck auslösen. [7]

Die Hauptquellen für Tyrosin
Der Körper kann diese nicht-essentielle Aminosäure selbst produzieren, aber um sie in ausreichender Menge zu erhalten, muss man sich vor allem auf Lebensmittel mit hohem Proteingehalt konzentrieren. Die perfekte Quelle für Tyrosin ist pflanzliches oder tierisches Protein in den folgenden Produkten:
- Käse
- Eier
- Hähnchen- und Putenfleisch
- Soja
- Mandeln oder Schalenfrüchte
Einige Früchte enthalten jedoch auch Tyrosin, vor allem Avocado und Banane. [8]
Eine abwechslungsreiche, proteinreiche Ernährung sollte eine ausreichende Menge an Tyrosin liefern, aber auch die Aufnahme von Tyrosin in Form von Supplements kann dazu beitragen, den idealen Tyrosinspiegel im Körper zu erreichen.
Die Wirkungen von Tyrosin
Die Ergebnisse der Studien deuten darauf hin, dass Tyrosin ein relativ breites Spektrum an Wirkungen haben kann. Einige vermutete Wirkungen auf den menschlichen Körper sind überhaupt nicht bestätigt worden. Andere deuten darauf hin, dass Tyrosin das Ausdauertraining, die Gedächtnisleistung und die Aufmerksamkeit unterstützen kann.
1. Tyrosin vs. Ausdauertraining
Es hat eine interessante Studie mit acht gesunden Freiwilligen gegeben, die eine Woche lang Übungen auf Fahrrädern durchgeführt haben. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Probanden der ersten Gruppe haben 0,5 Liter eines zuckerfreien Placebogetränks vor dem Training bei einer Außentemperatur von 30 Grad Celsius getrunken, die andere Gruppe hat 150 mg Tyrosin in ihren Getränken konsumiert. Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt, dass die Gruppe mit Tyrosin etwas länger radeln konnte und ihr Körper besser mit den anspruchsvollen Temperaturen zurechtgekommen ist. [9]
2. Tyrosin vs. Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit
In einer anderen umfassenden Studie haben sie Personen beobachtet, die viereinhalb Stunden lang Kälte ausgesetzt waren und deren Sauerstoffaufnahme eingeschränkt war. Bei niedrigeren Temperaturen und Hypoxie hat Tyrosin im Vergleich zu Placebo nachweislich eine Reihe von negativen Verhaltenswirkungen wie Kopfschmerzen, Kälte, Angst oder Müdigkeit reduziert. Obwohl diese Ergebnisse nicht als eindeutig angesehen werden können und weitere Studien erforderlich sind, scheint es, dass Tyrosin auch zur Aufrechterhaltung des Arbeitsgedächtnisses und der Aufmerksamkeit beitragen kann. [10]
Trägt Tyrosin zur Gewichtsabnahme bei?
Diese Frage wird von vielen gestellt, die den Prozess der Gewichtsabnahme vereinfachen oder beschleunigen möchten. Um besser zu verstehen, wie Tyrosin im Körper wirkt, solltest du daran denken, dass Tyrosin den optimalen Spiegel der Hormone im Körper beeinflusst, die die Fettverbrennung unterstützen können.
Phenylalanin wird zunächst durch einen chemischen Prozess in Tyrosin und später in eine andere Aminosäure namens L-DOPA (Levodopa) umgewandelt. Es wird dann in den Neurotransmitter Dopamin umgewandelt, der Adrenalin und Noradrenalin produziert. Diese beiden Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Ernährung. Adrenalin und Noradrenalin sind an der Lipolyse und Fettmobilisierung beteiligt. Gleichzeitig sind sie Teil der ,,Wärmeproduktion“ – Thermogenese und Ketogenese, die den Prozess der Teilung von Fettgewebe ist. [17]
Da Tyrosin eine Vorstufe von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin ist, kann man also sagen, dass ein optimaler Tyrosinspiegel die Fettverbrennung unterstützen kann. Es gibt jedoch keine klinischen Studien, die die Wirkungen von Tyrosin auf die Gewichtsabnahme bestätigen. Wenn du deinem Körper im Kampf gegen das Fett mit Bewegung in Schwung bringen willst, empfehlen wir dir den folgenden Artikel: Die 12 besten Tipps für das Cardio-Training zu Hause.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Tyrosin und Stress oder Depression?
Stress führt zu einer geringeren Konzentration wichtiger Botenstoffe. Mehrere Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, wie Tyrosin zur Stressreduzierung beitragen kann. Sie haben eine positive Korrelation zwischen der Supplementierung von Tyrosin und der Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit gezeigt. [11]
Männer, die ein intensives Kampftraining in Stresssituationen absolviert hatten, haben nach dem Konsum eines Proteingetränks, das zehn Gramm Tyrosin enthalten hat, bessere Leistungen gebracht. Ihr Gedächtnis hat sich verbessert und ihr Blutdruck war optimal. Bei Frauen hat Tyrosin das Arbeitsgedächtnis während einer geistig anspruchsvollen Aufgabe im Vergleich zu Placebo deutlich verbessert. [11]

Eine ausreichende Aufnahme von Tyrosin über die Nahrung oder durch Supplements kann Müdigkeit und Stress verringern und so die kognitiven Funktionen verbessern und dem Körper helfen, besser zwischen Aufgaben zu wechseln, was als kognitive Flexibilität bezeichnet wird. [11-13]
Tyrosin und Depression
Zunächst ist zu bedenken, dass Stress in der Regel nur eine Frage der Zeit ist, während Depressionen längerfristiger Natur sind. Es handelt sich um eine psychische Erkrankung, die professionelle Hilfe erfordert. Häufige Symptome von Depressionen sind Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Überessen oder sogar Magersucht.
Depressionen sind eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die letztendlich zum Tod führen können. Obwohl die zugrunde liegende Pathophysiologie nicht klar definiert ist, deuten präklinische und klinische Hinweise auf Störungen der Serotonin-, Noradrenalin- und Dopamin-Neurotransmission im zentralen Nervensystem hin. Tyrosin trägt zu einer optimalen Produktion von Neurotransmittern bei und kann daher als Antidepressivum wirken. [18]
Experimente mit depressiven Patienten deuten darauf hin, dass Tyrosin den Noradrenalinspiegel im Gehirn erhöhen kann. Da es sich bei Depressionen jedoch um eine komplexe und vielfältige psychische Störung handelt, ist es im Gegensatz zu Stress noch nicht wissenschaftlich bestätigt, ob Tyrosin bei Depressionen hilft. [14]
Wie wird Tyrosin aufgenommen?
Tyrosin wird in der Regel in Dosen von 500-2000 mg etwa 30-60 Minuten vor einer Aktivität aufgenommen, bei der der Körper Stress ausgesetzt ist, wie z. B. beim Training. Die empfohlene Dosis liegt im Bereich von 100-150 mg/kg Körpergewicht. Für Personen mit einem Körpergewicht von 90 kg wird daher empfohlen, eine Stunde vor dem Training 9-13,5 g Tyrosin aufzunehmen, für Personen mit 70 kg 7-10 g Tyrosin . Die Dosis kann auch in zwei Teile aufgeteilt werden, 30 und 60 Minuten vor dem Training. [15]
Hat Tyrosin Nebenwirkungen?
Da es zu den essentiellen, nicht essentiellen Aminosäuren gehört, gilt Tyrosin im Allgemeinen als sicher. Da Tyrosin jedoch, wie in der Einleitung erwähnt, ein Vorläufer von Katecholaminen (stimulierende Hormone) ist, kann es mit anderen Stimulanzien oder Medikamenten, die die Produktion von Dopamin und Noradrenalin beeinflussen, wie Levodopa (L-DOPA), interagieren oder deren Wirkung verstärken.
Insbesondere wird es nicht für Personen empfohlen, die MAOI-Antidepressiva (Monoaminoxidase-Hemmer) aufnehmen. Es kann eine hypertensive Krise – einen plötzlichen und starken Anstieg des Blutdrucks – verursachen. Es wird auch nicht für Personen mit Schilddrüsenproblemen empfohlen. [16-17]
Unser Nervensystem ist mehr oder weniger starkem Stress ausgesetzt. Tyrosin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, die unser Körper in dieser hektischen Zeit braucht. Sie trägt zur Produktion von wichtigen Neurotransmittern bei, die zur Regulierung der Stimmung und der emotionalen Stabilität beitragen. Studienergebnisse zeigen, dass Tyrosin dazu beiträgt, die Konzentration nicht nur bei der körperlichen, sondern auch bei der geistigen Leistung zu verbessern. Tyrosin gehört zu den weniger untersuchten Aminosäuren, aber es scheint, dass seine Wirkung Sportlern und aktiven Personen helfen kann, ihr Ziel zu erreichen.
Vielleicht hast du noch nicht viel über Tyrosin gehört, aber wir glauben, dass dieser Artikel dir alle wichtigen Informationen darüber gebracht hat. Wenn du möchtest, dass deine Freunde über Tyrosin Bescheid wissen, unterstütze uns, indem du den Artikel teilst.
[1] Van de Walle G. - Tyrosine: Benefits, Side Effects and Dosage – https://www.healthline.com/nutrition/tyrosine
[2] Paravati S., and col. - Physiology, Catecholamines – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507716/
[3] National Library of medicine - Tyrosine – https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/compound/tyrosine
[4] Arnst J., - A legacy of tyrosine – https://www.asbmb.org/asbmb-today/people/051120/a-legacy-of-tyrosine
[5] Mitchel J. J., and col. - Phenylalanine hydroxylase deficiency – https://www.nature.com/articles/gim2011114
[6] Al Hafid N., - Phenylketonuria: a review of current and future treatments – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4728993/
[7] Kandula P., Agarwal R. - Proteinuria and hypertension with tyrosine kinase inhibitors – https://www.kidney-international.org/article/S0085-2538(15)54996-X/fulltext
[8] Ristic A. - 8 Potential L-Tyrosine Benefits + Dosage & Side Effects – https://selfhacked.com/blog/tyrosine-6-proven-health-benefits-tyrosine/
[9] Tumilty L., and col. - Oral tyrosine supplementation improves exercise capacity in the heat – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21437603/
[10] Mullur R., and col. - Thyroid Hormone Regulation of Metabolism – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4044302/
[11] Young S., - L-Tyrosine to alleviate the effects of stress? – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1863555/
[12] Banderet L., Lieberman H., - Treatment with Tyrosine, a Neurotransmitter Precursor, Reduces Environmental Stress in Humans – https://sci-hub.se/https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2736402/
[13] Attipoe S., and col - Tyrosine for Mitigating Stress and Enhancing Performance in Healthy Adult Humans, a Rapid Evidence Assessment of the Literature – https://academic.oup.com/milmed/article/180/7/754/4160625
[14] Gelenberg A., and col. - Tyrosine for depression: a double-blind trial – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2142699/
[15] Jongkees B. J., and col. - Effect of tyrosine supplementation on clinical and healthy populations under stress or cognitive demands—A review – https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0022395615002472?via%3Dihub
[16] Zaragoza J., and col. - Effects of acute caffeine, theanine and tyrosine supplementation on mental and physical performance in athletes – https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12970-019-0326-3
[17] Al Hafid N., - Phenylketonuria: a review of current and future treatments – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4728993/
[18] Moret Ch., Briley M. - The importance of norepinephrine in depression – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3131098/
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